Ärzte, Medikamente und Sozialsysteme
Die Geschichte der Sozialsysteme ist eng mit der des Sozialstaates und des Gesundheitssystems verbunden. Erstmals konkrete Züge nahm der deutsche Sozialstaat gegen Ende des 19 Jahrhunderts an und im noch jungen 20. Jahrhundert wurden diese Entwicklungen Stück für Stück nach vorne gebracht. Man legte den Fokus mehr und mehr darauf, dass alle Menschen in Deutschland ein gewisses Recht auf eine Grundversorgung haben, ganz egal zu welcher Einkommensgruppe sie gehören. Kurz: Gesundheit und ein Mindestlebensstandard sollten nicht von finanziellen Mitteln abhängig sein. Das macht die Sozialgemeinschaft aus. Dazu gehört beispielsweise auch unser Krankenkassensystem. Jeder gesetzlich versicherte Arbeitnehmer zahlt einen bestimmten Prozentsatz seines Gehaltes in die gesetzliche Krankenversicherung. Aus diesem „Topf“ werden dann die Mittel genommen, um zum Beispiel Operationen, Arztbesuche und dergleichen zu bezahlen. Dass dabei jemand, der 10.000 Euro monatlich verdient und 14 % an die Krankenkasse zahlen muss, mehr Geld zahlt als jemand, der nur 1.700 Euro verdient und den gleichen Beitragssatz hat, ist klar. Doch dem, der mehr verdient, tut der größere Beitrag weniger weh. Und anteilig zahlt es trotz allem das gleiche. Außerdem gibt einen Maximalsatz darüber hinaus müssten keine weiteren Beiträge bezahlt werden.
Die bessere Alternative
Sicher, einige Menschen haben das – nicht immer ganz unberechtigte – Gefühl, dass es immer wieder Schmarotzer gibt, die sich auf dem Sozialsystem ausruhen, weil sie wissen, dass ihnen nichts passieren kann. Die Gemeinschaft wird sie immer auffangen und für das Nötigste im Leben sorgen. Dieser Umstand macht zurecht wütend. Doch die Alternative wäre, dass wir unsere Ärzte bar bezahlen würden und eben nur die zum Arzt gehen können, die das nötige Kleingeld haben. Diese Zustände herrschen in Amerika. In den USA ist man nicht automatisch pflichtversichert und so kommt es vor, dass Ärzte und Kliniken Patienten ablehnen müssen, weil diese nicht in der Lage sind, für die Behandlung aufzukommen. Oder bestimmte Medikamente, die besonders wirksam sind, können nicht verschrieben werden, weil sie zu teuer sind. Und bevor wir hierzulande solche Missstände haben, ist es doch wohl noch weit weniger schlimm, hier und da ein Auge zuzudrücken.