Fortschritt und Geschichte der Nuklearmedizin
Das Bild der modernen Medizin wurde durch zwei Entdeckungen gegen Ende des 19. Jahrhunderts bedeutend geprägt. Zum einen entdeckte Konrad Röntgen 1895 die nach ihm benannten Röntgen-Strahlen, mit denen es möglich war, erstmals in der Geschichte der Menschheit in den lebenden menschlichen Körper zu sehen, diesen quasi durchsichtig zu machen. Sechs Jahre später erhielt der Forscher auch verdient den Nobelpreis in Physik. Im Folgejahr entdeckte man die Radioaktivität. Einen großen Anteil daran hatte Henri Becquerel, der bemerkte, dass einige in der Natur vorkommende Elemente eine ihnen eigene Strahlung haben. Diese Strahlung ist in der Lage, auch über einige Entfernung und durch lichtdichtes Papier hindurch Foto-Platten zu schwärzen. Wie schon Röntgen vor ihm so erhielt auch Becquerel den Nobelpreis – im Jahre 1903.
Entdeckungen, die die Welt bewegten
Diese bahnbrechenden Entdeckungen revolutionierten die Wissenschaft in ihren Grundzügen. George de Hevesy wandte ein radioaktives Isotop erstmals an, um seiner Vermieterin nachzuweisen, dass sie nicht verzehrte Essenreste wiederverwerte, indem er unter seine Essenreste jenes Isotop mischte, das geruchs-, farb- und geschmackslos ist. Er wies die Anreicherung im Essen nach und bewies damit den Schwindel – und verlor seine Wohnung. Diese Methode kennen wir heute als Tracer-Methode. Man injiziert eine geringe Menge radioaktiven Materials und en menschlichen Körper und kann dessen Verteilung im Organismus von außen verfolgen. Dies gibt detaillierte Auskünfte über sämtliche Stoffwechselfunktionen. Ganz unterschiedliche biochemische Prozesse werden heute auf diese Weise abgebildet und gemessen.
Dem Fortschritt in der Nuklearmedizin ist es auch zu verdanken, dass wir die sogenannten Radiopharmaka haben. Diese Substanzen werden als eine Art Sonden vom Arzt eingesetzt und geben ihm Informationen über die Funktionsweise von Enzymen, Stoffwechselvorgängen und Botenstoffen. Damit kann der Arzt wichtige Erkenntnisse über mögliche Erkrankungen und Fehlfunktionen im Körper des Menschen erlangen. Ziel ist es, in naher Zukunft damit auch Ursachen von Erkrankungen wie Schizophrenie, Depressionen, Alzheimer und Epilepsie behandeln und beheben zu können.